Zurück zum Blog

Warum mobile IPs die Geolokalisierung auf Stadtebene aushebeln

GeolokalisierungMobilfunkCGNAT

CGNAT, nationale Gateways und Carrier-Routing erklären die meisten falschen Treffer auf Stadtebene. So entwerfen Sie Regeln, die auch bei mobilem Traffic funktionieren.

# Warum mobile IPs die Geolokalisierung auf Stadtebene aushebeln

Mehr als die Hälfte des Web-Traffics von Verbraucherinnen und Verbrauchern kommt heute von mobilen Geräten. Und genau dort scheitern einfache Geolokalisierungsregeln besonders schnell.

Carrier-grade NAT

Mobilfunkanbieter haben nicht genug IPv4-Adressen für all ihre Kundinnen und Kunden. Deshalb teilen sich oft Tausende Geräte eine einzige öffentliche IP-Adresse. Diese Adresse sitzt am Gateway des Carriers – typischerweise in einer größeren Stadt, unabhängig davon, wo sich die einzelne Person tatsächlich befindet. Ein Nutzer auf dem Land erscheint dann ganz selbstverständlich als Traffic aus der Hauptstadt.

Die praktischen Folgen:

  • Abweichungen von mehreren hundert Kilometern auf Stadtebene sind normal – kein Datenfehler.
  • Rate Limiting pro IP trifft im Zweifel eine ganze Nachbarschaft unbeteiligter Nutzer.
  • Reputation Scoring pro IP ist unfair: Ein einzelner Missbrauchsfall belastet eine gemeinsam genutzte Adresse.

Roaming und Gateway-Anbindung

Wer im Roaming unterwegs ist, geht häufig weiterhin über das Netz des Heimat-Carriers ins Internet. Ein deutsches Smartphone in Italien kann also die ganze Woche als deutscher Traffic erscheinen. Wenn Ihre Regel bei einem Länderwechsel anschlägt, werden Roaming-Nutzer sie ständig auslösen.

IPv6 verändert die Lage

Bei IPv6 erhält jedes Gerät in der Regel eine eigene Adresse aus einem /64- oder /56-Präfix. Begrenzen Sie deshalb auf Basis des /64, nicht auf Basis der einzelnen Adresse – sonst kann ein Gerät durch Rotation innerhalb seines Präfixes Ihre Begrenzung sofort umgehen. Die Geolokalisierung bei mobilem IPv6 ist oft besser, weil weniger Aggregation stattfindet. Die Abdeckung der Präfixe unterscheidet sich allerdings je nach Carrier.

So bauen Sie robuste Regeln

  • Nutzen Sie den Verbindungstyp. Wenn er mobile ist, behandeln Sie die Stadt nur als Hinweis und verlassen Sie sich eher auf das Land.
  • Setzen Sie Rate Limits in Mobilfunknetzen auf Konto- oder Geräteidentität, nicht auf die IP.
  • Verwenden Sie Entfernungen zwischen Städten bei mobilem Traffic niemals als Fraud-Signal.
  • Akzeptieren Sie Länderwechsel bei etablierten Konten und erhöhen Sie lieber die Authentifizierungsstufe, statt pauschal zu blockieren.

Guarda liefert den Verbindungstyp bei jeder Abfrage genau deshalb mit: damit solche Verzweigungen einfach umzusetzen sind. Die entscheidende Frage lautet nicht „Wo ist diese IP?“, sondern: „Wie sehr sollte ich dieser Ortsangabe vertrauen?“

Ihre Verbindung